Veröffentlicht: 05.11.2026

Aushilfen in den Ferien: Wann kurzfristige Beschäftigung wirklich abgabenfrei ist

Auf einen Blick

  • Ferienaushilfen können unter bestimmten Voraussetzungen sozialversicherungsfrei beschäftigt werden.

  • Die Beschäftigung muss von Anfang an auf maximal drei Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr begrenzt sein.

  • Eine Verdienstgrenze gibt es bei der kurzfristigen Beschäftigung grundsätzlich nicht.

  • Entscheidend ist, dass die Tätigkeit nicht berufsmäßig ausgeübt wird.

  • Auch für Ferienaushilfen gelten Mindestlohn, Arbeitszeitvorschriften und Dokumentationspflichten.

  • Mehrere kurzfristige Beschäftigungen können zusammengerechnet werden.

Wenn in der Urlaubszeit Personal fehlt

Sommerferien, Urlaubszeit und gleichzeitig hoher Personalbedarf: Viele ambulante Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen greifen in dieser Phase auf Schüler, Studierende oder andere Ferienaushilfen zurück. Die kurzfristige Beschäftigung wirkt dabei auf den ersten Blick besonders attraktiv, weil keine regulären Sozialversicherungsbeiträge anfallen.

In der Praxis kommt es jedoch häufig zu Fehlern. Werden die Voraussetzungen nicht eingehalten, kann die Beschäftigung nachträglich sozialversicherungspflichtig werden. Deshalb sollten Pflegeunternehmen die Regelungen genau prüfen.

Was ist eine kurzfristige Beschäftigung?

Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn die Tätigkeit von Beginn an zeitlich begrenzt ist und innerhalb eines Kalenderjahres höchstens:

Kriterium

Grenze

Beschäftigungsdauer

3 Monate

Alternativ

70 Arbeitstage

Dabei reicht es aus, wenn eine der beiden Grenzen eingehalten wird.

Anders als beim Minijob spielt die Höhe des Arbeitsentgelts grundsätzlich keine Rolle. Auch höhere Verdienste können im Rahmen einer kurzfristigen Beschäftigung sozialversicherungsfrei sein.

Wann bleibt die Beschäftigung abgabenfrei?

Damit die Beschäftigung sozialversicherungsfrei bleibt, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein.

Die Beschäftigung muss von Anfang an befristet sein

Die Befristung muss bereits bei Vertragsabschluss feststehen. Eine nachträgliche Begrenzung reicht nicht aus.

Die Zeitgrenzen dürfen nicht überschritten werden

Vorbeschäftigungen bei anderen Arbeitgebern innerhalb desselben Kalenderjahres müssen berücksichtigt werden. Werden die zulässigen Grenzen insgesamt überschritten, entfällt die Sozialversicherungsfreiheit.

Keine berufsmäßige Beschäftigung

Besonders wichtig ist die Prüfung der Berufsmäßigkeit.

Bei Schülerinnen, Schülern und den meisten Studierenden während der Ferien wird in der Regel keine Berufsmäßigkeit angenommen. Dadurch kann die Beschäftigung sozialversicherungsfrei bleiben.

Anders kann es beispielsweise bei arbeitsuchenden Personen oder Personen ohne andere Haupteinnahmequelle aussehen. Hier ist eine Einzelfallprüfung erforderlich.

Besonderheiten für Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste

In Pflegeunternehmen werden Ferienaushilfen häufig für unterstützende Tätigkeiten eingesetzt, etwa:

  • Verwaltung und Empfang

  • Hauswirtschaft

  • Betreuung und Alltagsbegleitung

  • Unterstützung im Fahrdienst

  • organisatorische Aufgaben im Büro

Wichtig ist, dass die Qualifikation für die jeweilige Tätigkeit ausreicht und die gesetzlichen Anforderungen eingehalten werden.

Gerade in der ambulanten Pflege sollten Dienstpläne sorgfältig dokumentiert werden. So lässt sich im Rahmen einer Prüfung nachvollziehen, an welchen Tagen die Aushilfe tatsächlich gearbeitet hat.

Praxisbeispiel

Ein ambulanter Pflegedienst stellt eine Studentin während der Semesterferien ein.

  • Beschäftigungszeitraum: 1. Juli bis 31. August

  • Arbeitszeit: fünf Tage pro Woche

  • Monatsverdienst: 2.200 Euro

Die Beschäftigung ist von Beginn an auf zwei Monate befristet. Die Studentin übt die Tätigkeit ausschließlich während der Semesterferien aus und hat keine weiteren kurzfristigen Beschäftigungen im laufenden Kalenderjahr.

Ergebnis:

  • Zeitgrenze wird eingehalten.

  • Es liegt keine Berufsmäßigkeit vor.

  • Die Beschäftigung ist sozialversicherungsfrei.

Trotzdem ist der Lohn grundsätzlich steuerpflichtig. Die steuerliche Behandlung muss gesondert geprüft werden.

Häufige Fehler in der Praxis

  1. Vorbeschäftigungen werden nicht abgefragt.

  2. Die Befristung wird nicht eindeutig im Vertrag festgelegt.

  3. Die Zeitgrenzen werden durch mehrere Einsätze überschritten.

  4. Berufsmäßigkeit wird nicht geprüft.

  5. Arbeitszeiten werden unvollständig dokumentiert.

Diese Fehler können dazu führen, dass nachträglich Sozialversicherungsbeiträge fällig werden.

Praxis-Checkliste

☐ Befristung im Arbeitsvertrag eindeutig festgelegt

☐ Vorbeschäftigungen schriftlich abgefragt

☐ Zeitgrenzen geprüft

☐ Berufsmäßigkeit dokumentiert

☐ Mindestlohn eingehalten

☐ Arbeitszeiten vollständig erfasst

☐ Steuerliche Behandlung geprüft

☐ Unterlagen für eine mögliche Prüfung abgelegt

Referenztabelle

Prüfkriterium

Aktueller Stand

Maximale Dauer

3 Monate

Alternative Grenze

70 Arbeitstage

Verdienstgrenze

Keine

Sozialversicherung

Grundsätzlich beitragsfrei

Berufsmäßigkeit

Darf grundsätzlich nicht vorliegen

Mindestlohn

Gilt auch für Ferienaushilfen

Fazit

Kurzfristige Beschäftigungen können für Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste eine flexible Möglichkeit sein, Personalengpässe in der Ferienzeit abzufangen. Die Sozialversicherungsfreiheit ist jedoch an klare Voraussetzungen geknüpft. Wer die Zeitgrenzen, mögliche Vorbeschäftigungen und die Frage der Berufsmäßigkeit sorgfältig prüft, vermeidet spätere Nachzahlungen und schafft Rechtssicherheit.

Eine individuelle Prüfung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn die Ferienaushilfe bereits andere Beschäftigungen ausgeübt hat oder Unklarheiten zur Berufsmäßigkeit bestehen.

Eike J. Giersdorf
Wirtschaftsprüfer I Steuerberater
Schwerpunkte
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  • Steuerliche Beratung im Bereich Unternehmensumwandlungen
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