Veröffentlicht: 21.10.2026

Sammelkonto sonstige Kosten: Der teuerste Ordner im Pflegedienst

Auf einen Blick

  • Das Konto „Sonstige Kosten“ ist oft das größte Fehler- und Risikokonto in Pflegeunternehmen.

  • Unklare Buchungen erschweren betriebswirtschaftliche Auswertungen und Entscheidungen.

  • Hohe Beträge auf Sammelkonten können bei Betriebsprüfungen Rückfragen auslösen.

  • Pflegeeinrichtungen verschenken häufig Steuerungswissen über Kostenarten und Einsparpotenziale.

  • Eine saubere Kontierung verbessert Transparenz, Kalkulation und Liquiditätsplanung.

  • Regelmäßige Auswertungen verhindern, dass sich Kosten unbemerkt summieren.

Wenn der Monatsabschluss Fragen offenlässt

Die Geschäftsführung eines ambulanten Pflegedienstes schaut auf die aktuelle BWA. Die Personalkosten sind nachvollziehbar, die Fahrzeugkosten ebenfalls. Doch dann fällt ein Betrag von 28.000 Euro auf dem Konto „Sonstige Kosten“ auf. Was steckt dahinter?

Neue Smartphones? Beratungsleistungen? Büromaterial? Fortbildungen? Niemand kann es auf Anhieb sagen.

Genau hier beginnt eines der häufigsten betriebswirtschaftlichen Probleme in Pflegeunternehmen: Das Sammelkonto „Sonstige Kosten“ wird zum Ablageort für alles, was sich nicht sofort zuordnen lässt. Mit der Zeit entsteht ein Kostenblock, der Transparenz und Steuerungsmöglichkeiten verschluckt.

Warum Sammelkonten so problematisch sind

Sammelkonten haben grundsätzlich ihre Berechtigung. Sie erleichtern die Buchhaltung bei kleineren Einzelbeträgen und seltenen Geschäftsvorfällen.

Problematisch wird es, wenn regelmäßig größere Kosten dort landen.

Die Folgen:

  • Fehlende Transparenz über tatsächliche Kostentreiber

  • Erschwerte Budgetplanung

  • Ungenaue Wirtschaftlichkeitsanalysen

  • Erhöhte Rückfragen durch Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Finanzverwaltung

  • Schlechtere Entscheidungsgrundlagen für die Geschäftsführung

Gerade in Pflegeunternehmen mit engem Margenspielraum können falsch gruppierte Kosten dazu führen, dass wirtschaftliche Probleme zu spät erkannt werden.

Die typischen „Verstecke“ im Pflegealltag

In der Praxis finden sich auf Sammelkonten häufig:

  • IT-Kosten und Softwarelizenzen

  • Fort- und Weiterbildungskosten

  • Recruiting-Ausgaben

  • Beratungsleistungen

  • Kleinanschaffungen

  • Bürobedarf

  • Marketingmaßnahmen

  • Reparaturen außerhalb definierter Kostenkonten

  • Dienstleistungen von Fremdfirmen

Oft sind diese Kosten für die Unternehmenssteuerung sogar besonders wichtig.

Wer beispielsweise nicht erkennt, dass Recruiting-Kosten im letzten Jahr um 40 Prozent gestiegen sind, verliert eine wichtige Grundlage für Personalentscheidungen.

Ein Praxisbeispiel aus dem Pflegedienst

Ein ambulanter Pflegedienst verbucht im Laufe eines Jahres folgende Ausgaben auf „Sonstige Kosten“:

Kostenart

Betrag

Software-Abonnements

6.500 €

Stellenanzeigen

4.800 €

Fortbildungen

7.200 €

Büromaterial

2.500 €

Beratungsleistungen

5.000 €

Sonstige Kleinbeträge

2.000 €

Gesamt

28.000 €

Auf den ersten Blick ergibt sich lediglich die Information: 28.000 Euro sonstige Kosten.

Nach einer Aufteilung erkennt die Geschäftsführung dagegen:

  • Fortbildungen sind der größte Kostenblock.

  • Recruiting-Aufwendungen steigen deutlich.

  • Softwarekosten entwickeln sich zu einem relevanten Fixkostenfaktor.

  • Beratungsleistungen sollten auf Wirtschaftlichkeit geprüft werden.

Erst die Aufschlüsselung ermöglicht sinnvolle Entscheidungen.

Besonderheiten für ambulante und stationäre Pflege

Ambulanter Pflegedienst

Hier finden sich häufig:

  • Mobilfunkverträge

  • Tourenplanungssoftware

  • Fahrzeugnahe Nebenkosten

  • Digitale Dokumentationssysteme

  • Recruiting-Ausgaben

Wer diese Positionen in Sammelkonten versteckt, verliert schnell den Überblick über die tatsächlichen Verwaltungskosten.

Stationäre Pflegeeinrichtungen

Typische Kandidaten sind:

  • Fortbildungsmaßnahmen

  • Qualitätsmanagement

  • Beratungsleistungen

  • Hygienedienstleistungen

  • Externe Fachkräfte

Eine getrennte Auswertung verbessert die Kostenkontrolle und unterstützt die Unternehmensplanung.

Wie viele Sammelkonten sind sinnvoll?

Die Antwort lautet nicht: möglichst viele Einzelkonten.

Zu viele Konten machen die Buchhaltung unnötig komplex.

Bewährt hat sich:

  • Wiederkehrende Kostenarten separat führen

  • Wesentliche Kostenblöcke sichtbar machen

  • Unregelmäßige Kleinstbeträge über Sammelkonten erfassen

  • Kontenstruktur jährlich überprüfen

Die wichtigste Regel:

Wenn eine Kostenart regelmäßig hohe Beträge erzeugt oder für Entscheidungen relevant ist, gehört sie nicht auf „Sonstige Kosten“.

Praxis-Checkliste

☐ Wie hoch ist der Betrag auf dem Konto „Sonstige Kosten“?

☐ Können die größten Positionen sofort erklärt werden?

☐ Wurden wiederkehrende Kostenarten separat angelegt?

☐ Sind IT-, Recruiting- und Fortbildungskosten getrennt auswertbar?

☐ Werden Sammelkonten mindestens einmal pro Quartal überprüft?

☐ Erhält die Geschäftsführung ausreichende Transparenz für Entscheidungen?

☐ Gibt es klare Buchungsrichtlinien für Mitarbeitende und Buchhaltung?

Referenztabelle

Prüfkriterium

Empfehlung

Kontrolle Sammelkonten

mindestens quartalsweise

Hohe Einzelbeträge

separat kontieren

Wiederkehrende Kostenarten

eigenes Sachkonto

BWA-Auswertung

monatlich

Verantwortlichkeit

eindeutig festlegen

Dokumentation

Buchungsrichtlinie hinterlegen

Fazit

Das Sammelkonto „Sonstige Kosten“ ist selten nur eine Buchhaltungsposition. Es ist häufig der teuerste Ordner im gesamten Pflegeunternehmen, weil dort wertvolle Informationen verloren gehen.

Wer Kostenarten sauber trennt, erkennt Entwicklungen früher, verbessert die Wirtschaftlichkeit und schafft bessere Entscheidungsgrundlagen für Geschäftsführung, Verwaltung und Steuerberatung.

Hinweis: Ob die bestehende Kontenstruktur für Ihre Pflegeeinrichtung oder Ihren Pflegedienst optimal aufgebaut ist, sollte immer anhand der individuellen Unternehmensstruktur sowie der steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Anforderungen geprüft werden.

Eike J. Giersdorf
Wirtschaftsprüfer I Steuerberater
Schwerpunkte
  • Steuerliche Gestaltungsberatung
  • Steuerliche Beratung im Bereich Unternehmensumwandlungen
  • Steuerliche Beratung im Bereich Nachfolgeregelungen
  • Wirtschaftsprüfung - Jahresabschlussprüfung
  • Unternehmensbewertung