Wann eine Tour Geld verdient – und wann sie nur Umsatz erzeugt
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Viele ambulante Pflegedienste bewerten ihre Touren vor allem nach einem Kriterium: Wie viel Umsatz wird auf der Tour erzielt?
Doch genau hier liegt häufig ein gefährlicher Denkfehler. Denn hohe Umsätze bedeuten nicht automatisch hohe Gewinne. Eine Tour kann auf den ersten Blick sehr erfolgreich wirken und trotzdem wirtschaftlich kaum etwas zum Unternehmenserfolg beitragen.
Warum Umsatz allein wenig aussagt
Eine Tour mit vielen Patienten und hohen Abrechnungsbeträgen wirkt zunächst attraktiv. Entscheidend ist jedoch nicht der Umsatz, sondern der Deckungsbeitrag.
Der Deckungsbeitrag beschreibt den Betrag, der nach Abzug der direkt verursachten Kosten übrig bleibt und zur Deckung der allgemeinen Unternehmenskosten beiträgt. Erst wenn eine Tour mehr erwirtschaftet als ihre direkten Kosten verursachen, entsteht ein echter wirtschaftlicher Beitrag für den Pflegedienst.
Welche Kosten bei einer Tour entstehen
Viele Kosten werden im Alltag unterschätzt oder gar nicht einzelnen Touren zugeordnet. Dazu gehören insbesondere:
Personalkosten inklusive Lohnnebenkosten
Fahrzeiten zwischen den Patienten
Kraftstoff- und Fahrzeugkosten
Wartung und Reparaturen
Verwaltungsaufwand
Ausfallzeiten
Dokumentationsaufwand
Bereitschafts- und Organisationskosten
Gerade Fahrzeiten entwickeln sich in vielen Regionen zu einem erheblichen Kostenfaktor. Die Pflegeleistung wird vergütet – die Personalkosten laufen jedoch auch dann weiter, wenn Mitarbeitende im Auto sitzen.
Der häufigste Fehler in der Praxis
Viele Pflegedienste betrachten ausschließlich den Umsatz pro Patient oder pro Tour. Nicht analysiert werden dagegen:
tatsächliche Einsatzzeiten
Fahrzeiten
Personaleinsatz
Auslastung der Tour
Wirtschaftlichkeit einzelner Leistungsarten
Dadurch entstehen häufig Touren, die zwar hohe Umsätze generieren, aber nur geringe Gewinne erwirtschaften.
Warum Fahrzeiten über Gewinn oder Verlust entscheiden können
Zwei Touren können denselben Umsatz erzielen und trotzdem völlig unterschiedliche Ergebnisse liefern.
Beispiel:
Tour A:
1.200 Euro Umsatz
kurze Wege, hohe Patientendichte, geringe Leerzeiten
Tour B:
1.200 Euro Umsatz
lange Anfahrtswege, viele Einzelbesuche, hohe Ausfallzeiten
Der Umsatz ist identisch – der wirtschaftliche Ertrag kann jedoch erheblich voneinander abweichen. Gerade in ländlichen Regionen oder bei stark verteilten Einsatzgebieten wird dieser Effekt häufig unterschätzt.
Welche Kennzahlen Geschäftsführer regelmäßig prüfen sollten
Wer die Wirtschaftlichkeit seiner Touren beurteilen möchte, sollte nicht nur auf den Umsatz schauen. Wichtige Kennzahlen sind unter anderem:
Umsatz pro Tour
Umsatz pro Mitarbeiterstunde
Pflegezeitquote (Anteil der vergüteten Pflegezeit an der Gesamtarbeitszeit)
Fahrzeitquote (Anteil der Fahrzeit an der Gesamtarbeitszeit)
Auslastungsgrad
Deckungsbeitrag pro Tour
Deckungsbeitrag pro Patient
durchschnittliche Wegstrecken
Erst die Kombination dieser Kennzahlen ermöglicht eine fundierte wirtschaftliche Bewertung.
Nicht jeder Patient trägt gleich zum Ergebnis bei
Zwei Patienten mit ähnlichem Leistungsumfang können für den Pflegedienst völlig unterschiedliche Ergebnisse erzeugen. Gründe können sein:
unterschiedliche Anfahrtswege
verschiedene Leistungszeiten
abweichender Dokumentationsaufwand
unterschiedliche Terminstrukturen
besondere organisatorische Anforderungen
Deshalb sollte die Wirtschaftlichkeit nicht nur auf Tourenebene, sondern regelmäßig auch auf Patientenebene betrachtet werden.
Tourenplanung ist heute ein betriebswirtschaftliches Thema
Moderne Tourenplanung dient längst nicht mehr nur der Organisation. Sie beeinflusst unmittelbar:
die Personalkosten
die Fahrzeugkosten
die Mitarbeiterzufriedenheit
die Auslastung
die Liquidität
den Unternehmensgewinn
Bereits kleine Optimierungen bei Fahrzeiten oder Tourenzuschnitten können über das Jahr hinweg erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben.
Warum die reine Auslastung täuschen kann
Viele Geschäftsführer freuen sich über vollständig ausgelastete Mitarbeitende. Doch auch eine vollständig ausgelastete Tour kann wirtschaftlich problematisch sein.
Wenn ein großer Teil der Arbeitszeit auf Fahrten, Umwege oder organisatorische Tätigkeiten entfällt, entsteht zwar Beschäftigung – aber nicht automatisch Gewinn. Das Ziel sollte deshalb nicht maximale Auslastung sein, sondern eine möglichst wirtschaftliche Auslastung.
Fazit
Eine Tour verdient nicht automatisch Geld, nur weil sie viel Umsatz erzeugt. Entscheidend ist, welcher Betrag nach Abzug aller direkt verursachten Kosten tatsächlich übrig bleibt.
Wer ausschließlich auf Umsätze blickt, übersieht häufig die wahren Ertrags- und Kostentreiber seines Pflegedienstes. Gerade in Zeiten steigender Personalkosten und zunehmendem Fachkräftemangel wird die Analyse von Touren, Fahrzeiten und Deckungsbeiträgen immer wichtiger.
Die erfolgreichsten Pflegedienste steuern deshalb nicht nur ihre Umsätze – sondern vor allem die Wirtschaftlichkeit jeder einzelnen Tour.
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