12.05.2026

Pflegekraft arbeitet Mo–Mi bei dir, Do–Fr bei anderer Agentur: Was ist eine faire und rechtssichere Vergütung?

Flexible Arbeitsmodelle sind in der Pflege längst Realität. Viele Pflegekräfte arbeiten heute nicht mehr ausschließlich bei einem Träger, sondern kombinieren Einsätze über mehrere Einrichtungen oder Agenturen hinweg.

Ein typisches Szenario:

Montag bis Mittwoch in deiner Einrichtung, Donnerstag und Freitag bei einer anderen Agentur.

Für Geschäftsführer und HR stellt sich dabei eine zentrale Frage:

Wie gestaltet man Vergütung, Einsatzplanung und rechtliche Rahmenbedingungen korrekt und wirtschaftlich sinnvoll?

Denn solche Modelle beeinflussen nicht nur die Kostenstruktur, sondern auch Haftung, Bindung und Personalverfügbarkeit.

Warum dieses Modell in der Pflege immer häufiger vorkommt

Der Fachkräftemangel führt dazu, dass Pflegekräfte zunehmend:

  • ihre Arbeitszeit flexibler gestalten

  • mehrere Arbeitgeber kombinieren

  • als Springer oder über Zeitarbeit eingesetzt werden

  • gezielt Dienste nach Verfügbarkeit auswählen

Für Einrichtungen bedeutet das:
Planungssicherheit wird schwieriger, gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck um verfügbare Fachkräfte.

Grundsatzfrage: Festanstellung oder flexible Einsatzmodelle?

Eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen lautet:

1. Festangestellte Pflegekraft

oder

2. flexible Einsatzkraft (z. B. über Agentur / Springer-Modell)

Beide Modelle haben unterschiedliche Auswirkungen auf:

  • Personalkosten

  • Verfügbarkeit

  • Bindung an die Einrichtung

  • Planbarkeit

  • administrative Aufwände

Gerade bei geteilten Arbeitsmodellen entsteht häufig ein Mischsystem, das sorgfältig gesteuert werden muss.

Wie wird die Vergütung in solchen Modellen kalkuliert?

Die Vergütung hängt nicht nur vom Stundenlohn ab, sondern von mehreren Faktoren.

1. Marktgerechte Stundensätze

Entscheidend ist zunächst der regionale Markt.

Dabei spielen eine Rolle:

  • Fachqualifikation

  • Berufserfahrung

  • Einsatzbereich (stationär / ambulant)

  • kurzfristige Verfügbarkeit

  • Schichtzeiten

In angespannten Märkten steigen die Stundensätze häufig deutlich.

2. Unterschied zwischen Eigenpersonal und Agenturkräfte

Bei externen Kräften über Agenturen gelten meist andere Kalkulationslogiken:

  • höhere Stundensätze durch Vermittlungskosten

  • kurzfristige Verfügbarkeit wird eingepreist

  • Flexibilitätszuschläge

  • administrative Aufschläge

Eigenpersonal ist in der Regel günstiger, aber weniger flexibel einsetzbar.

3. Mischmodelle im Alltag

In der Praxis entstehen häufig hybride Strukturen:

  • Teilzeit fest angestellt

  • ergänzende Agentur-Einsätze

  • Springer-Pools

  • kurzfristige Zusatzdienste

Diese Mischformen erfordern eine klare wirtschaftliche Steuerung.

Einsatzregelungen: Warum klare Absprachen entscheidend sind

Wenn Pflegekräfte bei mehreren Arbeitgebern arbeiten, entstehen schnell organisatorische Herausforderungen.

Wichtige Punkte:

  • klare Dienstpläne ohne Überschneidungen

  • Regelung von Ruhezeiten nach Arbeitszeitgesetz

  • Abstimmung zwischen Einrichtungen (sofern möglich)

  • Vermeidung von Überlastung

  • transparente Kommunikation

Ohne klare Strukturen drohen:

  • Planungsfehler

  • Überstundenprobleme

  • Ausfallrisiken

  • rechtliche Konflikte

Rechtliche Rahmenbedingungen: Arbeitszeit und Haftung

Ein besonders kritischer Bereich ist die Einhaltung arbeitsrechtlicher Vorgaben.

Zentrale Punkte:

  • maximale tägliche und wöchentliche Arbeitszeit

  • Ruhezeiten zwischen Diensten

  • Dokumentation der Arbeitszeiten

  • Verantwortung liegt beim jeweiligen Arbeitgeber

Gerade bei mehreren Arbeitgebern ist die Gesamtarbeitszeit relevant, auch wenn sie aufgeteilt ist.

Häufiger Fehler in der Praxis

Ein typisches Problem in Pflegeeinrichtungen:

Es wird nur der eigene Dienstplan betrachtet — nicht die Gesamtbelastung der Pflegekraft.

Das kann zu:

  • Verstößen gegen Arbeitszeitgesetze

  • gesundheitlicher Überlastung

  • Haftungsrisiken für Arbeitgeber

führen.

Wirtschaftliche Auswirkungen für Pflegeeinrichtungen

Flexible Arbeitsmodelle haben direkte Auswirkungen auf die Kostenstruktur.

Typische Effekte:

  • höhere kurzfristige Personalkosten bei Agenturen

  • schwankende Kalkulationsgrundlagen

  • zusätzlicher Verwaltungsaufwand

  • geringere langfristige Bindung

  • steigender Wettbewerb um Fachkräfte

Gleichzeitig bieten sie aber:

  • höhere Flexibilität

  • bessere Ausfallkompensation

  • schnellere Personaldeckung

Warum die reine Stundenlohn-Frage zu kurz greift

Viele Einrichtungen fokussieren sich ausschließlich auf den Stundensatz.

In der Praxis ist das jedoch zu kurz gedacht.

Wichtiger sind:

  • tatsächliche Produktivität im Einsatz

  • Ausfallzeiten

  • Einarbeitungsaufwand

  • Fluktuationskosten

  • Planbarkeit

  • Qualität der Pflegeleistung

Der „billigste Stundensatz“ ist daher nicht automatisch die wirtschaftlich beste Lösung.

Strategische Perspektive für Geschäftsführer

Für Leitungsebene und HR wird das Thema zunehmend strategisch:

  • Wie viel Flexibilität braucht die Einrichtung?

  • Welche Personalquote soll intern abgedeckt werden?

  • Wie hoch ist der Anteil externer Kräfte?

  • Welche Kostenstruktur ist langfristig tragfähig?

  • Wie bleibt die Pflegequalität stabil?

Fazit: Flexible Arbeitsmodelle brauchen klare wirtschaftliche Steuerung

Wenn Pflegekräfte zwischen mehreren Arbeitgebern wechseln, ist das längst kein Ausnahmefall mehr, sondern gelebte Realität in der Branche.

Für Einrichtungen bedeutet das:

  • Vergütung muss marktgerecht und strukturiert sein

  • Einsatzplanung muss sauber abgestimmt werden

  • rechtliche Vorgaben müssen konsequent eingehalten werden

  • wirtschaftliche Gesamtbetrachtung ist entscheidend

Gerade im Spannungsfeld zwischen Fachkräftemangel und Kostendruck wird die richtige Balance zwischen Flexibilität und Stabilität zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

Eike J. Giersdorf
Wirtschaftsprüfer I Steuerberater
Schwerpunkte
  • Steuerliche Gestaltungsberatung
  • Steuerliche Beratung im Bereich Unternehmensumwandlungen
  • Steuerliche Beratung im Bereich Nachfolgeregelungen
  • Wirtschaftsprüfung - Jahresabschlussprüfung
  • Unternehmensbewertung