12.05.2026

Internationale Pflegekräfte einstellen: Wie schnell können Fachkräfte aus Polen, Ungarn oder Rumänien tatsächlich starten?

Der Fachkräftemangel in der Pflegebranche verschärft sich seit Jahren. Viele Pflegeeinrichtungen, ambulante Dienste und Träger sozialer Einrichtungen suchen deshalb zunehmend nach qualifizierten Mitarbeitenden aus dem Ausland.

Besonders häufig richtet sich der Blick dabei auf Fachkräfte aus:

  • Polen

  • Ungarn

  • Rumänien

Doch zwischen erfolgreichem Recruiting und dem tatsächlichen Arbeitsbeginn liegen oft deutlich mehr Schritte als erwartet.

Denn internationale Rekrutierung ist längst nicht nur eine HR-Frage — sondern auch ein organisatorisches, rechtliches und betriebswirtschaftliches Thema.

Warum internationale Pflegekräfte für viele Einrichtungen unverzichtbar werden

Viele Pflegeeinrichtungen stehen inzwischen vor denselben Problemen:

  • zu wenige Bewerbungen

  • steigende Ausfallquoten

  • zunehmende Arbeitsbelastung

  • demografischer Wandel

  • wachsender Versorgungsbedarf

Internationale Fachkräfte werden deshalb für zahlreiche Einrichtungen zu einem wichtigen Bestandteil der Personalstrategie.

Gerade Bewerberinnen und Bewerber aus EU-Ländern bringen häufig:

  • bereits pflegerische Berufsausbildungen

  • praktische Erfahrung

  • hohe Motivation

  • schnelle Verfügbarkeit im Vergleich zu Drittstaatenverfahren

mit.

Trotzdem wird der tatsächliche Aufwand in der Praxis häufig unterschätzt.

Der wichtigste Punkt: Die Anerkennung des Berufsabschlusses

Entscheidend für den späteren Einsatz ist vor allem die Anerkennung der ausländischen Qualifikation.

Denn:
Nicht jeder ausländische Abschluss berechtigt automatisch zur Tätigkeit als anerkannte Pflegefachkraft in Deutschland.

Typische Prüfungsbereiche:

  • Ausbildungsumfang

  • Ausbildungsinhalte

  • praktische Erfahrung

  • Sprachkenntnisse

  • Gleichwertigkeit mit deutschem Berufsrecht

Je nach Herkunftsland und Ausbildungsstruktur kann das Verfahren unterschiedlich aufwendig ausfallen.

Wie lange dauert die Anerkennung tatsächlich?

Eine der häufigsten Fragen von Geschäftsführern lautet:

„Wann kann die Fachkraft wirklich starten?“

Die ehrliche Antwort:
Das hängt stark vom Einzelfall ab.

Einflussfaktoren sind unter anderem:

  • Vollständigkeit der Unterlagen

  • Bearbeitungszeiten der Behörden

  • Sprachkenntnisse

  • notwendige Anpassungsqualifizierungen

  • regionale Unterschiede der Anerkennungsstellen

In der Praxis unterschätzen viele Einrichtungen die tatsächliche Vorlaufzeit erheblich.

Welche Kosten entstehen zusätzlich?

Internationale Rekrutierung verursacht häufig deutlich höhere Kosten als zunächst kalkuliert.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Recruitingkosten

  • Vermittlungsgebühren

  • Übersetzungen und Beglaubigungen

  • Sprachkurse

  • Integrationsmaßnahmen

  • Wohnraumbeschaffung

  • Relocation-Kosten

  • Reisekosten

  • Einarbeitungsaufwand

Gerade bei mehreren Neueinstellungen entstehen schnell erhebliche Investitionen.

Steuerliche Behandlung: Welche Kosten kann das Unternehmen übernehmen?

Ein oft unterschätzter Punkt betrifft die steuerliche Behandlung der übernommenen Kosten.

Denn nicht jede Unterstützung führt automatisch zu steuerfreien Leistungen.

Zu prüfen sind beispielsweise:

  • beruflich veranlasste Kostenübernahmen

  • steuerpflichtiger Arbeitslohn

  • Reisekostenregelungen

  • Unterkunftsgestellungen

  • Sprachförderungen

  • Umzugskosten

Fehlerhafte Gestaltung kann sowohl:

  • zusätzliche Lohnsteuer

  • als auch Sozialversicherungsbeiträge

auslösen.

Gerade bei größeren Recruitingprojekten lohnt sich deshalb eine frühzeitige steuerliche Prüfung.

Häufiger Fehler: Recruitingkosten werden isoliert betrachtet

Viele Einrichtungen fokussieren sich zunächst nur auf:

  • Vermittlungsgebühren

  • Gehälter

  • kurzfristige Personallücken

Die tatsächliche Gesamtkalkulation bleibt dagegen häufig unvollständig.

Dabei müssen unter anderem berücksichtigt werden:

  • Ausfallzeiten bis zur Anerkennung

  • Integrationskosten

  • mögliche Fluktuation

  • zusätzliche Einarbeitung

  • Sprachförderung

  • Produktivität in der Anfangsphase

Ohne realistische Planung entstehen schnell unerwartete Zusatzkosten.

Arbeitsrechtliche und organisatorische Herausforderungen

Neben der Anerkennung spielen auch interne Prozesse eine wichtige Rolle.

Typische Herausforderungen:

  • Vertragsgestaltung

  • Probezeitregelungen

  • Wohnraumsituation

  • kulturelle Integration

  • Kommunikation im Team

  • Dienstplanung während der Einarbeitung

Gerade fehlende organisatorische Vorbereitung führt häufig zu Problemen im laufenden Betrieb.

Warum Sprachkenntnisse entscheidend sind

Pflege erfordert nicht nur fachliche Qualifikation, sondern auch sichere Kommunikation.

Deshalb achten Behörden und Arbeitgeber besonders auf:

  • medizinische Kommunikation

  • Dokumentationsfähigkeit

  • Kommunikation mit Bewohnern

  • Verständigung im Team

  • rechtssichere Übergaben

Fehlende Sprachkompetenz kann den tatsächlichen Einsatz deutlich verzögern.

Internationale Rekrutierung wird zur betriebswirtschaftlichen Frage

Angesichts des Fachkräftemangels wird internationale Personalgewinnung für viele Einrichtungen unvermeidbar.

Doch erfolgreiche Rekrutierung bedeutet nicht nur:
„Möglichst schnell Personal finden“.

Entscheidend sind auch:

  • Wirtschaftlichkeit

  • nachhaltige Integration

  • langfristige Mitarbeiterbindung

  • steuerliche Gestaltung

  • stabile Personalkostenstruktur

Gerade Einrichtungen mit mehreren internationalen Fachkräften benötigen zunehmend professionelle Prozesse.

So können Pflegeeinrichtungen Risiken reduzieren

1. Frühzeitige Zeitplanung

Realistische Zeitfenster vermeiden spätere Personalengpässe.

2. Gesamtkosten sauber kalkulieren

Nicht nur Recruitingkosten, sondern auch:

  • Integration

  • Sprachförderung

  • Ausfallzeiten

  • Verwaltungsaufwand

müssen berücksichtigt werden.

3. Steuerliche Auswirkungen früh prüfen

Besonders bei übernommenen Kosten sollten:

  • Lohnsteuer

  • Sozialversicherung

  • Dokumentation

sauber geprüft werden.

4. Interne Prozesse standardisieren

Klare Abläufe zwischen:

  • HR

  • Lohnbuchhaltung

  • Pflegedienstleitung

  • externen Vermittlern

reduzieren spätere Probleme erheblich.

Fazit: Internationale Fachkräfte brauchen mehr als nur einen Arbeitsvertrag

Pflegekräfte aus Polen, Ungarn oder Rumänien können für viele Einrichtungen ein wichtiger Bestandteil der Personalstrategie sein.

Doch zwischen Einstellung und tatsächlichem Einsatz liegen häufig:

  • Anerkennungsverfahren

  • organisatorische Herausforderungen

  • Integrationsaufwand

  • steuerliche Fragestellungen

  • erhebliche Zusatzkosten

Wer internationale Rekrutierung langfristig erfolgreich gestalten möchte, sollte deshalb nicht nur die Personalgewinnung betrachten — sondern die gesamte wirtschaftliche und organisatorische Planung.

Gerade im Fachkräftemangel wird internationale Rekrutierung zunehmend zur strategischen Managemententscheidung.

Eike J. Giersdorf
Wirtschaftsprüfer I Steuerberater
Schwerpunkte
  • Steuerliche Gestaltungsberatung
  • Steuerliche Beratung im Bereich Unternehmensumwandlungen
  • Steuerliche Beratung im Bereich Nachfolgeregelungen
  • Wirtschaftsprüfung - Jahresabschlussprüfung
  • Unternehmensbewertung