Portugal, Spanien, Polen: Dein Pflegedienst rekrutiert Fachkräfte aus dem Ausland – was dich wirklich erwartet
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Fast jede fünfte Pflegekraft in Deutschland hat einen internationalen Hintergrund. Was vor einigen Jahren noch als Ausnahme galt, ist heute für viele Pflegeeinrichtungen eine strategische Notwendigkeit geworden.
Der Fachkräftemangel in der Pflege hat sich so stark verschärft, dass internationale Rekrutierung für viele Einrichtungen nicht mehr optional ist. Gleichzeitig ist sie kein einfacher „Lösungsweg“, sondern ein komplexer Prozess mit rechtlichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Anforderungen.
Dieser Artikel zeigt verständlich und praxisnah, was Pflegeeinrichtungen bei der Rekrutierung aus dem Ausland wirklich erwartet.
Warum internationales Recruiting in der Pflege immer wichtiger wird
Der Arbeitsmarkt in der Pflege ist seit Jahren angespannt. Die Nachfrage nach Pflegeleistungen steigt, während gleichzeitig viele erfahrene Fachkräfte in den Ruhestand gehen.
Ein wesentlicher Faktor ist dabei der zunehmende Anteil internationaler Beschäftigter. Aktuelle Auswertungen zeigen, dass ein erheblicher Teil des Beschäftigungswachstums in der Pflege durch ausländische Fachkräfte getragen wird.
Für Einrichtungen bedeutet das:
Der deutsche Arbeitsmarkt allein reicht oft nicht mehr aus
Internationale Rekrutierung wird Teil der Personalstrategie
Planung, Integration und Struktur werden entscheidend
Herkunft der Pflegekräfte: Welche Länder besonders relevant sind
Die wichtigsten Herkunftsländer internationaler Pflegekräfte haben sich in den letzten Jahren deutlich herausgebildet.
Innerhalb der Europäischen Union spielen insbesondere eine Rolle:
Polen
Spanien
Portugal
Rumänien
Außerhalb der Europäischen Union sind häufig relevant:
Philippinen
Indien
Tunesien
Bosnien und Herzegowina
Indonesien
Wichtig ist: Die tatsächlichen Herkunftsländer hängen stark von Programmen, Netzwerken und Vermittlungsstrukturen einzelner Einrichtungen ab.
EU-Rekrutierung: weniger Bürokratie, aber nicht ohne Herausforderungen
Die Rekrutierung innerhalb der Europäischen Union ist für viele Einrichtungen der erste Einstieg in internationales Recruiting.
Vorteile:
Keine Arbeitserlaubnis erforderlich
Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union
Vereinfachte Anerkennungsverfahren für Berufsabschlüsse
Realität in der Praxis:
Auch wenn die Verfahren vereinfacht sind, bedeutet das nicht, dass sie sofort abgeschlossen sind. Anerkennungsprozesse dauern je nach Bundesland, Unterlagenlage und Behörde oft mehrere Wochen bis Monate.
Portugal, Spanien und Polen im Praxisvergleich
Portugal
Portugal ist für viele deutsche Einrichtungen ein erfolgreicher Einstieg in internationales Recruiting.
Typische Vorteile:
hohe berufliche Qualifikation
gute Integrationserfahrungen in deutschen Einrichtungen
häufig hohe Motivation zur langfristigen Migration
Der entscheidende Erfolgsfaktor ist meist nicht das Land selbst, sondern ein stabiles Netzwerk vor Ort, zum Beispiel mit Schulen oder Kooperationspartnern.
Spanien
Spanien ist ein wichtiger Herkunftsmarkt für Pflegekräfte innerhalb Europas.
Charakteristisch ist:
große Anzahl potenzieller Bewerberinnen und Bewerber
gleichzeitig hoher Wettbewerb deutscher Einrichtungen
starke regionale Unterschiede in Ausbildung und Berufserfahrung
Für Einrichtungen bedeutet das: Spanien bietet Potenzial, erfordert aber eine klare Auswahlstrategie.
Polen
Polen hat eine lange Tradition der Arbeitsmigration nach Deutschland.
Typische Vorteile:
häufig vorhandene Deutschkenntnisse
geografische Nähe
kulturelle und arbeitsbezogene Erfahrungen mit Deutschland
Gleichzeitig gilt:
Die wirtschaftliche Entwicklung in Polen hat sich verbessert, wodurch die Bereitschaft zur dauerhaften Migration teilweise zurückgeht. Pendelmodelle und kurzfristige Beschäftigung sind häufiger geworden.
Drittstaaten: höherer Aufwand, strukturierte Programme
Rekrutierung aus Ländern außerhalb der Europäischen Union ist deutlich komplexer, aber gut organisiert möglich.
Ein zentrales Programm ist „Triple Win“, das von der Bundesagentur für Arbeit gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit umgesetzt wird.
Ziel des Programms:
faire Rekrutierung
Schutz der Herkunftsländer
strukturierte Auswahl und Vorbereitung
Typische Herkunftsländer:
Philippinen
Indonesien
Tunesien
ausgewählte Regionen in Indien
Ablauf:
Vorbereitung im Herkunftsland
Sprachkurs in der Regel bis Niveau B1
Einreise nach Deutschland
Tätigkeit zunächst häufig in Assistenzfunktionen
anschließende Anerkennung des Berufsabschlusses
Fachkräfteeinwanderung: was sich in Deutschland verbessert hat
Mit den Reformen des Fachkräfteeinwanderungsrechts wurden Prozesse für internationale Fachkräfte vereinfacht.
Wichtige Entwicklungen:
schnellere Visaverfahren in vielen Fällen
Möglichkeit zur Einreise mit Arbeitsvertrag und Anerkennungsprozess im Anschluss
beschleunigte Verfahren bei klaren Voraussetzungen
Ein wichtiges Instrument ist das beschleunigte Fachkräfteverfahren, das die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber, Behörden und Auslandsvertretungen bündelt.
Kosten der internationalen Rekrutierung
Internationale Rekrutierung ist kein kurzfristiges Sparmodell.
EU-Rekrutierung:
Vermittlungskosten häufig im Bereich von einigen tausend Euro pro Person
zusätzlich interne Kosten für Integration und Einarbeitung
Drittstaaten-Rekrutierung:
Hier entstehen deutlich höhere Gesamtkosten durch:
Sprachkurse im Herkunftsland
Visum- und Anerkennungsverfahren
Rekrutierungsagenturen oder Programme
Integration und Einarbeitung in Deutschland
In der Praxis liegen die Gesamtkosten häufig im Bereich von etwa 15.000 bis 30.000 Euro pro Fachkraft.
Gleichzeitig müssen Einrichtungen immer die Alternative berücksichtigen:
Kosten unbesetzter Stellen
Zeitarbeit
Überlastung des bestehenden Teams
Die größten Herausforderungen in der Praxis
1. Sprache
Sprache ist der wichtigste Erfolgsfaktor. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse entstehen:
Missverständnisse im Pflegealltag
erhöhte Belastung für Teams
höhere Abbruchquoten
2. Anerkennung
Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse ist abhängig von:
Bundesland
Ausbildungsland
Vollständigkeit der Unterlagen
3. Integration
Der Erfolg entscheidet sich oft nach der Ankunft:
Unterstützung bei Wohnungssuche
Einarbeitung mit festen Ansprechpartnern
soziale Integration im Team
4. Erwartungsmanagement
Ein häufiger Fehler ist die Annahme, internationale Fachkräfte seien „sofort voll einsetzbar“. In der Realität ist ein strukturierter Aufbau notwendig.
Ethische Rahmenbedingungen
Deutschland orientiert sich bei der internationalen Rekrutierung am WHO-Verhaltenskodex für die Anwerbung von Gesundheitsfachkräften.
Das bedeutet:
verantwortungsvolle Rekrutierung aus dem Ausland
Vermeidung von Abwerbung aus Ländern mit eigener Versorgungsknappheit
Fokus auf faire Programme und langfristige Kooperationen
Seriöse Programme berücksichtigen diese Standards systematisch.
Erfolgsfaktoren aus der Praxis
Erfolgreiche Einrichtungen haben meist drei Dinge gemeinsam:
klare interne Zuständigkeiten für internationales Recruiting
strukturierte Sprach- und Integrationskonzepte
langfristige Partnerschaften in Herkunftsländern
Wichtig ist dabei: Rekrutierung endet nicht mit der Einreise, sondern beginnt dort erst richtig.
Fazit: Internationales Recruiting ist Strategie, kein kurzfristiges Projekt
Internationale Rekrutierung in der Pflege ist weder ein schneller Ersatz für fehlendes Personal noch eine einfache Lösung.
Sie ist:
ein langfristiger Aufbauprozess
eine organisatorische Herausforderung
eine wirtschaftliche Investition
Einrichtungen, die internationale Fachkräfte erfolgreich integrieren, schaffen sich jedoch stabile Teams und reduzieren langfristig Personalengpässe.
Der entscheidende Erfolgsfaktor ist nicht das Herkunftsland, sondern die Frage:
Wie gut ist die Einrichtung auf internationale Mitarbeitende vorbereitet?
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